25/07/2010
Ich sitze in der Fußgängerzone, gegenüber einer Kirche, in einem Café. Der Milchkaffee steht vor mir auf dem Tisch, die Zigarette brennt und die Menschenmassen bewegen sich von links nach rechts, von rechts nach links an mir vorbei. Die Glocken der gegenüberliegenden Kirche läuten, elf Uhr morgens, eine gute Zeit. Ich schaue in den Himmel. Grau. Trist. Wie die ganze Stadt eigentlich. Es ist windig. Ich ziehe meine Jacke etwas fester, genehmige mir einen Schluck des Kaffees, und es geht mir schon besser. Die Menschen, die an mir vorüberziehen repräsentieren die Stadt, ein perfektes, fleisch gewordenes Duplikat. Grau, trist, langweilig, hektisch. Graue Menschen auf grauen Straßen vor grauem Grund. Also eigentlich nur eine Graue Masse, von der sich Bewegung abhebt. Auf der anderen Straßenseite baut ein Straßenmusiker seine Habseligkeiten auf. Seinen Stuhl, seine Tasche, aus der er sein Schifferklavier zieht.
Die Tasche hübsch vor sich drapieren, eigenes Geld darauf platzieren, um den Passanten zu signalisieren, dass er durchaus erfolgreich mit dem ist, was er macht. Die perfekte Illusion. Edvard Grieg – Peer Gynt Suite – Morgenstimmung. Viel zu schnell, viel zu hektisch, viel zu langweilig. Ein weiterer Angehöriger der Massen.
Und Morgenstimmung ist nun wirklich nicht das, was zu diesem Tag passt.
Ich bezahle, stehe auf und gehe, füge mich perfekt in das rege Treiben dieser Stadt mit ein und laufe mit dem Strom.
25/07/2010
Heute ist ein recht langweiliger Tag.
Aufstehen, Küche aufräumen, Rauchen, Duschen, Frühstücken, TV.
Hooray.
Entweder es kommen schlechte Heimatfilme, Reality-Bullshit oder Reportagen über die Loveparade.
Traurig, ja, durchaus, aber mir deswegen mein Sonntags-Fernsehprogramm versauen?
Muss wohl nicht sein.
Kaffee trinken will auch niemand.
Und Mama hat meine Kirschtasche gegessen.
So warte ich auf heute Abend, 22.1o Uhr, wenn James Ryan anfängt, um den Tag etwas besser zu gestalten.
Um das ganze etwas zu verschönern:
KT Tunstall – Suddenly I see on David Letterman
Ich werde mich nun weiterhin dem Nichtstun widmen.
Sehr spannend.
24/07/2010
Wenn in Kaiserslautern mal Electro angesagt ist, darf Mario natürlich nicht fehlen.
So ging es gestern gegen 19.oo Uhr in strömenden Regen auf Richtung Stadt, um erst mal in das Atelier des Bruders eines Freundes zu gehen, um dort mit dem Genuss alkoholischer Getränke zu beginnen.
Um das ganze lustiger zu gestalten (und um das Glas schneller zu leeren), wurden Trinkspiele verordnet, die recht nett waren.
Die beste Regel: Spreche nur noch wie Herbert Grönemeyer.
Nach einigen lustigen Stunden dann, wieder im Regen, aber mit Wegzehrung, auf Richtung Universitätsgelände, wo die Veranstaltung mit dem Namen “Smack my beats up” stattfand.
Der Name, augenscheinlich an ein bekanntes Lied von The Prodigy angelehnt, versprach nichts Gutes.
Umso besser, dass das erste Lied, das ich dort hörte, Warp 1.9 war, was bekanntlich eines meiner Lieblingslieder ist.
Der Rest des Abends war musikalisch okay, Mittelmaß. Ich bin Stuttgartverwöhnt.
Aber auch sonst war es recht nett. Viele liebe Leute und so.
Gegen 4.3o Uhr war dort Schluss, und es ging heim. In diesem Sinne vielen Dank für die Fahrgelegenheit.
Mit Zwischenstop bei einer bekannten Fastfoodkette lag ich dann um 5.15 Uhr im Bett.
24/07/2010
Aus: Musikexpress Juli 2010:
“Keine Ahnung, was David Guetta sich so als Lebensziele gesteckt hat.
Aber: könnte sein, dass Die-Welt-untergehen-lassen ganz oben steht auf der Liste.Noch vor Ohrenzuballern und Aus-Müll-Geld-machen. Es hat tatsächlich seit sehr, sehr langer Zeit keinen Musiker mehr gegeben, den man so reinen Herzens hassen konnte für das, was er der Menschheit mit seinem Wirken antut.
Ansonsten findet sich in diesen schönen toleranten Zeiten ja immer irgendein Grund, etwas nicht gleich hassen zu müssen. Musik zum Beispiel ironisch hören zu können, das gehört wohl zu den großen zivilisatorischen Fortschritten der letzten zwei bis drei Jahrzehnte. Davor war es Privileg und kulturelles Kampfmittel von Schwulen, womöglich auch von ein paar heterosexuellen Nerds, schlechte oder jedenfalls geschmacklose Musik bewusst gut zu finden. Der Camp-Kultur verdankt der moderne Pop so ungefähr alles, was nicht nach Achselschweiß und Bierpisse stinkt, also: seine heutige Existenz. Und das Vorbild des Camp erst schenkte letzlich uns allen die Fähigkeit, zum Beispiel Dieter Bohlen und Scooter zu verzeihen. Und deren Werk zu goutieren, ironisch zumeist.
David Guettas Musik aber ist eine pest, gegen die kein Mittel hilft, nicht mal Ironie. Erschwerend kommt hinzu, dass Guetta so eine Art Geheimvirus ist: Man weiß fast nichts über den Mann, außer dass er Franzose ist, 42 jahre alt und gerade weltweit die Singlecharts terrorisiert. Entweder mit seinen eigenen Schrottdancetracks oder mit Produktionen für insbesondere amerikanische Sängerinnen, die Guetta offenbar für die europäische Antwort auf Timbaland halten.
Kelis’ “Acapella” und kelly Rowlands “commander” sind zwei traurige aktuelle Beispiele dafür, wie Guetta einstmals respektablen Sängerinnen den letzten Rest Würde raubt.
Guettas Produktionen sind schlecht programmiert, schlecht arrangiert, schleckt abgemischt; sie klingen nicht nur kacke, sie besitzen auch null Inspiration, keine guten Beats, keine Refrains, keine Seele, nicht mal die düstere Schönheit, die auch das brutal Stumpfe haben kann, beim Metal oder Techno.
Guettas Musik ist wie ein rosa Frotteeschlüpfer: unreformierbar hässlich.
Weil es kein einziges Indiz dafür gibt, dass Guetta auch nur die leiseste Ahnung davon hat, was er da tut, er also offenbar keinem Masterplan zur Verschandelung der Welt durch Scheißmusik folgt, könnte man ihm fast schon wieder verzeihen.
Aber nein: irgendwo hört die Toleranz auf.”
-Dirk Peitz